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08.09.2014
15:00

Einweihung des Gedenksteines für Marina Zwetajewa

Grußwort zur Einweihung des Gedenksteines für Marina Zwetajewa,

am 19.06.2014, Marina Zwetajewa Museum Moskau

 

Dobry Denj, daragije drusja! (Guten Tag, liebe Freunde),

sehr geehrte Frau Atrokhina, [weitere namentlich zu erwähnende Anwesenden]

sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde!

Heute sind wir wieder hier, in diesem Museum, das für das Leben von Marina Zwetajewa so wichtig ist. Vor einem Jahr waren wir schon bei Ihnen zu Gast. Vor einem Jahr hatte ich schon die Gelegenheit, Ihr wunderbares Haus und diese einzigartige, innige Atmosphäre kennen zu lernen. In Vorbereitung dieser Reise kamen mir die Eindrücke von damals wieder in den Sinn. Es war sehr schön, Sie zu treffen, sich von Ihrer Begeisterung für Marina Zwetajewa inspirieren zu lassen. Die Gegenstände Ihres Museums, die Büste, die Bücher, die Bilder, das Grammophon, all? das haben alle Mitglieder unserer Delegation als Eindrücke nach Hause, nach Freiburg genommen.

Freiburg ist unser Zuhause, das für einige Monate auch zum Zuhause für Marina Zwetajewa und ihrer Familie wurde. Die Gedichte, die wir letztes Jahr hier gehört und vorgetragen haben, haben unseren Besuch zu einer ganz besonderen Angelegenheit werden lassen. Der Geist von Marina Zwetajewa lebt hier, in diesem Haus, und ich möchte sagen, der Geist von Marina Zwetajewa lebt auch in Freiburg.

Freiburg ist unsere weltoffene Stadt, die jedes Jahr viele Gäste empfängt und die unseren Besuchern sehr viel bietet. Nicht zuletzt unseren Besuchern, die sich mit der russischen Kultur verbunden fühlen.

Sie wissen, dass wir in Freiburg eine Gedenktafel haben, die am Haus in der Wallstraße 10 angebracht ist. In jenem Haus befand sich das Pensionat von Pauline und Annie Brink, wo die Schwestern Marina und Anastasija Zwetajewa als Kinder in den Jahren 1904 und 1905 gelebt haben. Sie wissen vielleicht auch, dass wir eine Straße haben, die nach Marina Zwetajewa benannt wurde. Das ist eine Ehre für unsere Stadt, dass der Name einer großen russischen Dichterin in Freiburg zum Greifen nahe geworden ist. In der Straße, die den Namen von Marina Zwetajewa trägt, leben Menschen und spielen Kinder.

Als wir diese Straße in Freiburg feierlich einweihen wollten, haben wir Anastasija Zwetajewa eingeladen. Sie ist zu diesem Zeitpunkt schon hochbetagt gewesen und konnte die Reise leider nicht antreten. Sie hat sich jedoch in einem rührenden Brief auf Deutsch für die Einladung bedankt. Vielleicht wissen Sie, dass die Stadt Freiburg mit Anastasija Zwetajewa in einem engen Kontakt stand und sie unterstützte. Auch für sie waren es wichtige und kostbare Erinnerungen, die sie mit Freiburg und mit dem Schwarzwald verband.

Die Liebe zu Deutschland haben Marina und Anastasija Zwetajewa von ihrer Mutter geerbt. Die Mutter, Maria Mejn, hatte deutsche Wurzeln. Für sie gab es keinen Widerspruch darin, Russland und Deutschland gleichermaßen zu lieben. Deswegen ist es für mich eine besondere Ehre, heute bei der Eröffnung des Gedenksteins ?Freiburg? hier zu sein, weil dieser Stein hier, in Bolschewo, uns immer an die leidenschaftliche Liebe erinnern wird, die Marina Zwetajewa für Deutschland empfand.

Warum ist es so wichtig, uns an diese Liebe zu erinnern? In diesem Jahr jährt sich zum 100. Mal der Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Für Menschen wie Marina Zwetajewa, die sich als europäische Bürger empfanden, war dies eine persönliche Tragödie.

Es bedeutet mir viel, heute hier zu sein. Es bedeutet mir viel, dass wir auf Einladung einer Kulturinstitution hierher gekommen sind. Wir leben in Zeiten, in denen die Völkerverständigung ein ganz besonders wichtiges Thema des interkulturellen Dialogs ist. Vor allem wir als Vertreter von Kulturinstitutionen, haben die besondere Verantwortung und die besondere Aufgabe, die Welt daran zu erinnern, was uns eint: Die Liebe zur eigenen Kultur und der Respekt vor der Kultur der anderen Nationen.

Lassen Sie uns diesen Tag als eine Mahnung an uns alle verstehen. Unsere große Aufgabe besteht darin, Kultur und die interkulturelle Verständigung aufrecht zu erhalten. Ich möchte Ihnen herzliche Grüße von Herrn Gernot Erler ausrichten, der Russland-Beauftragter der Bundesregierung und Mitglied des Bundestags ist. Er lebt auch in Freiburg. Auch er teilt den Gedanken, dass unser Dialog fortgesetzt werden muss. Als ein Symbol dieses Dialogs können wir die zweisprachige Ausgabe der Zwetajewa-Werke ansehen, die die Stadt Freiburg unterstützt und die im Oktober 2014 erscheinen wird.

Lassen Sie mich nochmal unterstreichen: Ich finde es ungemein wichtig, dass es Menschen wie Sie gibt, die mit ihrer Leidenschaft, mit ihrem fachlichen Wissen und einem großen Engagement das Erbe von Marina Zwetajewa bewahren. Vielen herzlichen Dank an alle, die diesen feierlichen Tag ermöglicht haben. Vielen Dank an alle, die nicht nur dieses Museum, sondern auch den kulturellen Dialog zwischen Russland und Deutschland am Leben erhalten werden.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

Baljschoje spasiba sa wnimanije!

 


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