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31.05.2012
14:10

Verleihung des Reinhold-Schneider-Preises

Am 18.04.2012 durfte ich für die Stadt den Reinhold-Schneider-Preis an Herrn Prof.Rainer Kußmaul (Hauptpreis), Herrn Günter Buchwald sowie an das Cecile Verny Quartett, überreichen.

Der Reinhold-Schneider-Preis war und ist ein wichtiger Kristallisationspunkt für die Identifikation der Bürgerschaft mit dem geistigen und kulturellen Leben der Stadt.

Das hängt sicher damit zusammen, dass die Satzung zur Vergabe des Preises eine enge Verbindung der Preisträger zu Freiburg und seiner Region fordert. Und so ist auch die Nähe und Verbundenheit der Preisträgerinnen und Preisträger mit Freiburg und seiner Musikszene offensichtlich und intensiv.

Gedankt sei auch den Jury-Mitgliedern für ihre kompetente Mitarbeit am Auswahlverfahren, für die offenen und engagierten Dispute, die wir in den Sitzungen geführt haben. Diskussionen, die bestimmt waren von der Vorgabe, den nach Reinhold Schneider benannten Kulturpreis unserer Stadt nach höchsten künstlerischen Kriterien angemessen zu vergeben.

Der Hauptpreis ging an Herr Professor Kussmaul. Es gibt selbst in einer Stadt wie Freiburg mit einer so vielfältigen und hochrangigen Szene der klassischen Musik nur wenige, die auf eine so brillante Karriere als Orchestermusiker, als Solist und als Lehrer zurückschauen können. HIer nur einige Stichworte:

- Mitbegründer des Stuttgarter Klaviertrio
- Erster Konzertmeister der Berliner Philharmoniker
- Konzerte mit nahezu allen renommierten Orchestern in Deutschland und Europa
- Hochschullehrer in Freiburg und Meisterkurse in Australien, den USA, in Kanada, Japan, China, Schweden, um nur einige zu nennen
- Mitbegründer der Freiburger Berliner Barocksolisten.

Herr Kussmaul ist als Musiker gewiss so etwas wie ein Kosmopolit mit Konzerten und Lehrtätigkeiten in der ganzen Welt. Aber Freiburg ist immer so etwas wie seine Mitte geblieben, vor allem die Musikhochschule und die Arbeit mit Ihren Studierenden.

Weitere Preisträger sind Günter Buchwald und das Cecile Verny Quartett.

Günter Buchwald hat eine Kunstgattung wieder zum Leben erweckt, die die meisten von uns gar nicht mehr kennen: Nämlich Stummfilme aus den Anfängen des Films. Weil man damals noch keinen Ton aufnehmen konnte, wurden diese Filme von Pianisten oder auch kleinen Orchestern begleitet. In einer Zeit der 3-D-Kinos, mit ausgeklügelten Soundproduktionen ist das fast nicht mehr vorstellbar. Günter Buchwald hat dafür gesorgt, dass diese so wichtige Phase nicht vergessen wird. Er ist ein gefragter Musiker aus allen führenden Festivals der Welt, hat in mehr als 2000 Filmkonzerten gespielt und für viele auch die Musik neu geschrieben. Mit dem Preis wird eine großartige und verdienstvolle Arbeit gewürdigt. Großartig, weil er mit den Konzerten vielen Menschen das Medium Film auf eine völlig neue Art präsentieren und interpretieren, vor allem durch die Erfahrung, dass ein Stummfilm klingen kann. Verdienstvoll deshalb, weil Sie damit Kulturgut vor dem Vergessen retten und wieder zugänglich machen.

MIt Cecile Verny, Andreas Erchinger, Bernd Heitzler und Lars Binder, wurde das Cecile Verny Quartett mit dem Reinhold-Schneider-Preis als eine der wichtigsten Stimmen im europäischen Jazz geehrt. Die Wurzeln von Cecile Verny sind die Musik Ihrer ursprünglichen Heimat Westafrika, ist der amerikanische Jazz, ist auch das französische Chanson. Wer über Jahre hinweg die Laufbahn des Cecile Verny Quartetts verfolgt hat, der kann die Veränderung spüren – eine Veränderung, die auch immer etwas mit Suchen und Entdecken zu tun hat. Wir neigen dazu, Musik in Genre-Schubladen zu packen: Klassik, Pop, Rock, Jazz, E- oder U-Musik. Die Musiker mit Cecile Verny in ihrer Mitte lässt lassen sich nicht in eine Schublade einordnen, sondern sie singt singen und spielt spielen im Sinne des Wortes „Weltmusik“. Dies wird am stärksten hörbar in dem neuen Programm „Keep Some Secrets Within“.

1960, zwei Jahre nach Reinhold Schneiders Tod, hat die Stadt Freiburg zum ersten Mal den Reinhold-Schneider-Preis verliehen. Der Gemeinderat hat seinerzeit im Vorfeld durchaus kontrovers über die Installation eines Kulturpreises, seine Dotierung und seine Namensgebung debattiert.

Auch wenn die Benennung nach Reinhold Schneider sich heutzutage vielleicht nicht jedem erschließt, so war es doch eine kluge, angemessene, immer noch gültige und würdige Entscheidung, den einzigen Kulturpreis der Stadt Freiburg nach diesem unangepassten Menschen zu benennen.

Reinhold Schneider war nicht nur als Künstler und Schriftsteller mit der der Kunst eigenen Kompromisslosigkeit tätig. Mit der gleichen Kompromisslosigkeit hat er während seines ganzen Lebens mit hoher moralischer Integrität zum Geschehen der Welt Stellung bezogen. Ein Leben lang hat sich Schneider mit Europa, seiner Geschichte, Philosophie und Literatur auseinander gesetzt. Er verstand sich in seinem Schreiben als Christ und als christlichen Dichter, als „Unruhestifter, Ankläger, verhasst den Mächtigen, unerwünscht den Oberhirten.

Dieser Geist von Kompromisslosigkeit und Eigensinn im besten Verständnis des Wortes zeichnet auch das Wirken der diesjährigen Reinhold-Schneider-Preisträger/innen aus.


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