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05.08.2011
13:59

Verabschiedung von Herrn Dr. Ludwig

Am 27.07.2011 fand im Museum für Neue Kunst die Verabschiedung von
Herrn Dr. Ludwig statt. Ich würdigte als Kulturbürgermeister und für die
Stadt Freiburg sein über 30j-ähriges Wirken für die Stadt Freiburg.
Mehr als 25 Jahre hat Dr. Joch Ludwig das Museum für Neue Kunst
mitgeprägt, hat dem Museum für Neue Kunst ein Gesicht gegeben und war
auch die letzten 25 Jahre das Kontinuum.
Dr. Jochen Ludwig hat nämlich schon bei der Gründung entscheidend
mitgewirkt, als Prof. Hofstätter ein eigenes Haus für die Moderne
propagierte.

Das Museum für Neue Kunst ist aus dem Augustinermuseum erwachsen und
mittlerweile erwachsen geworden. Es ist gut geführt und seit mehr als 25
Jahren sehr erfolgreich. Dieses ist Dr. Jochen Ludwig zu verdanken, der
das Haus sei Anbeginn geleitet hat.

Nach seinen Tätigkeiten an der renommierten Kunsthalle Baden-Baden kam
Dr. Jochen Ludwig 1979 nach Freiburg, wurde von Prof. Hans Hofstätter
als Wissenschaftlicher Mitarbeiter eingestellt. Als die Idee reifte, ein
neues Museum für Moderne Kunst zu begründen, wurde Dr. Ludwig mit dieser
wichtigen Aufgabe beauftragt.

1984 wurde das neue Museum eröffnet. Die Neueinrichtung des Hauses in
der ehemaligen Mädchenschule in der Adelhausen-Stiftung war ein
wichtiger Schritt für Freiburg. Endlich bekam die Kunst von der
klassischen Moderne bis zur zeitgenössischen Kunst ein 'eigenes
Zuhause'.

Dr. Ludwig hat auch von Anfang an den schwierigen Spagat gemeistert
einen Weg zu finden zwischen der publikumsträchtigen klassischen Moderne
und der aktuellen Kunst, die sich nicht jedem immer sofort erschließt.
Hier war es ein großer Vorteil, dass Dr. Ludwig auch als Vermittler
gearbeitet hat und ihm dieser Bereich der Museumsarbeit immer wichtig
geblieben ist.

Wie leidenschaftlich sich Herr Dr. Ludwig sich der Ermittlungsarbeit
gewidmet hat, lässt sich auch an der Kunstführung am frühen Morgen
(sogen. Frühkunst) ablesen, die bis zur letzten Führung nichts an
Wirkungskraft und Faszination verloren hat.

In seinen Ausstellungen hat sich Herr Dr. Ludwig auch immer wieder auf
die Struktur der Sammlung bezogen. Die Region war ihm wichtig, deswegen
hat er immer wieder bedeutende Künstlerinnen und Künstler aus Baden im
Museum für Neue Kunst ausgestellt.

Erinnert sei an Ausstellungen wie „Von Seerosen zu Lo-Shu-Quadraten“
von Bernd Völkle im Jahr 2009, Klaus Merkel im Jahr 1986, oder Rudolf
Dischinger zu einem 100. Geburtstag im Jahr 2005.

Neben der Region standen auch Themen, die weit über Baden
hinausführten, an. Erwähnenswert ist hier insbesondere die
Ausstellung „iran.com“, die bundesweit Aufsehen erregte. Daneben
zählten gewagte Experimente zu Jochen Ludwig, wie 1991 die
Ausstellung „von hinten“, in der die Rückseiten von Gemälden eine
Rolle spielen.

Wir hatten ja auch einen Restitutionsfall des DIX-Gemäldes, der den
Kern der Sammlung in einem wichtigen kleinen Bestand im Museum für Neue
Kunst, dem des deutschen Expressionismus, bedrohte. Dank des Einsatzes
von Herrn Dr. Ludwig, aber auch Dank des Willens und des Mutes der Stadt
Freiburg ist es gelungen diese Bild in der Sammlung des MNK zu halten
(mehr als 300.000 Euro investierte die Stadt aus städtischen
Haushaltsmitteln).

In die Amtszeit von Jochen Ludwig fallen auch wichtige Erwerbungen.
Oftmals hat Dr. Jochen Ludwig Ausstellungen genutzt, um die Sammlungen
zu erweitern, wie jüngst bei Katharina Grosse und Thomas Ruff. Dies war
allerdings nur möglich durch den Freundeskreis des Museums für Neue
Kunst, der die Erwerbungen finanzierte.

Hier dankte ich auch nochmals dem Vorstand des Freundeskreises mit dem
Vorsitzenden Her Hassel und der stellv. Vorsitzenden Frau Dr. Kiefer
sowie dem gesamten Vorstand für das Engagement.

Ich gab auch meiner Freude darüber Ausdruck, dass der Gemeinderat in
seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause Frau Dr. Litz zu der
Nachfolgerin von Herrn Dr. Ludwig gewählt hat.

Ich bin mir sicher, dass wir mit der Projektleiterin der documenta 13
eine würdige Nachfolgerin gefunden haben, die Manches weiterführen, aber
sicher auch Neues entwickeln wird.

Zum Abschluss dankte ich Herrn Dr. Ludwig für seinen Einsatz und für
sein Engagement der weit über das Übliche hinausging und wünschte ihm
für seine neue Lebensphase, in der er sich sicher auch noch stark der
Kunst widmen wird, alles Gute.


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